Das Barock-Städtchen Amorbach im Bayerischen Odenwald ist, für mich, immer eine Reise wert. Die Altstadt von Amorbach steht unter Denkmalschutz und hat alles zu bieten, was von einem romantischen Städtchen erwartet wird. Fachwerkhäuser, verwinkelte Gassen mit Kopfsteinpflaster, ein historisches Rathaus und sehenswerte Kirchen. Eingebettet ist Amorbach in eine herrliche Landschaft im Odenwald. Die Sache hat nur einen kleinen Haken. Amorbach liegt nicht gerade um die Ecke. Von Reinheim aus sind es rd. 50 km, für die ich mehr als eine Stunde Fahrzeit brauche. Ich fahre über die Landstraßen, denn allein die Fahrt von Vielbrunn durch das wunderschöne Ohrnbachtal hinunter nach Amorbach ist schon die Reise wert. Gestern zog es mich wieder einmal in diese Ecke. Ich fuhr mit dem Auto nach Amorbach, fand schnell in der Altstadt einen Parkplatz, denn heute war mein Ziel die Kapelle in Amorsbrunn, die ich, zu Fuß, in 20 Minuten erreicht habe.

 

Wallfahrtskapellen und Quellkirchen im Odenwald

Der Odenwald ist reich an Wasserquellen. Wasser war schon immer lebensnotwendig, nicht nur zum trinken, kochen und waschen. Wasser spielt auch im religiösen Bereich eine außerordentlich wichtige Rolle. Schon in vorchristlicher Zeit wurden an Quellen Gottheiten verehrt. Diese Tradition wurde von den Römern fortgesetzt. Erst mit dem Eintritt der Franken beginnt die christliche Tradition im Odenwald. Ehemals bedeutende Wallfahrtskapellen und so genannte Quellkirchen haben sich im wasserreichen Odenwald noch zahlreich erhalten, so wie in Amorsbrunn. Das Wasser entsprang zumeist einer Quelle, entweder unter dem Kapellenboden oder dicht daneben. Es galt als heilkräftig und mündete oft in einen separaten Raum oder in ein Becken, in dem mit dem Quellwasser und dem Körper Kontakt aufgenommen werden konnte.

 

Amorsbrunn

Um die heilige Quelle Amorsbrunn im Otterbachtal ranken sich zahlreiche Legenden. Der hl. Pirmin soll 714 über der alten Heilquelle eine Kapelle gebaut und hier die ersten Christen der Umgebung getauft haben. Fest steht, dass die ältesten erhaltenen Bauteile der Kapelle aus dem 12. Jahrhundert stammen. Der Glaube an die Heilkraft der Quelle, insbesondere gegen Augenleiden und Unfruchtbarkeit, führte im 15. Jahrhundert zu einer Zunahme der Wallfahrten, die eine Erweiterung der Kapelle nötig machten. Dabei wurde die Quelle ins Innere der Kapelle verlegt.

Bild links: Abdeckung der Quelle im Boden der Kapelle mit der Aufschrift: Gott ist der Quell des Lebens. Rechts: Sogenanntes „Landradakreuz“ an einem Steinblock am Eingang.

1446 wurde eine Statue des heiligen Amor, die heute noch im Chor links steht, aufgestellt. Um 1500 wurde die Kirche erweitert. Sie erhielt insbesondere den gewölbten Chor. Für den neuen Chor wurde auch das wertvollste Stück der Kapelle geschaffen: der farbig gefasste und vergoldete spätgotische Flügelaltar mit der Darstellung der „Wurzel Jesse“.

In der Predella des Altars liegt der schlafende Jesse, der Vater König Davids. Aus seinem Leib wächst ein Baum heraus, der im Mttelschrein des Stammbaum Jesu darstellt.

Weihwasserstein am Eingang der Kapelle.

Nun der Blick nach draußen: Links von der Kapelle ist eine gotische Freikanzel aus dem Jahr 1576 zu sehen, die früher bei großen Wallfahrten gebraucht wurde. Daneben steht eine barocke Mariensäule von 1720.

Seit 1535 gibt es an der hinteren Chorwand ein großes Christophorusbild, das mehrmals neu gemalt wurde.

1565 wurde rechts von der Kapelle ein Heilbad angelegt, in das das Wasser unter der Kapelle abfließt. In der Nähe der Treppe sind mehrmals fünf Näpfchen in den Sandstein eingetieft nach dem Muster einer 5 auf einem Würfel. Wer in diese Näpfchen Wasser schöpft, dann den Finger hineintaucht und über die Augen streicht, dem soll gegen Augenleiden geholfen werden.

 

Die Kapelle ist ein schönes Ausflugsziel mit Picknickplatz

Adresse: Amorsbrunner Straße 2, 63916 Amorbach

Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober, 10.00-17.00 Uhr

Gruppenführungen können über das
Informationszentrum Bayerischer Odenwald gebucht werden.
Schlossplatz 1, 63916 Amorbach
Tel. 0 93 73 – 200 574
eMail: amorbach@tourismus-odenwald.de

http://www.amorbach.de