Die Burg Breuberg hat mich schon als Kind fasziniert. Diese gewaltige Höhenburg aus der Stauferzeit ist noch gut erhalten, und alleine der Ausblick vom Bergfried ins Mümlingtal und den Odenwald ist schon ein Besuch wert. Also, bin ich gestern ganz kurz entschlossen, auf den Parkplatz „Gustavsruhe“ unterhalb der Burg gefahren. Von hier aus führt der „Eselsweg“ zur Burg Breuberg.

Am Ende des „Eselswegs“, ist die „Rutsche an der Burg“. Die Rutsche ist für Kinder von sechs bis 16 Jahren geeignet. Aber aufgepasst: Bei Nässe, Eis oder Reif darf nicht gerutscht werden.

 

Die Burg Breuberg

Die über dem Mümlingtal gelegene Burg Breuberg gehört zu den größten und am besten erhaltenen Burgen Süddeutschlands. Die Burg wurde als fuldisches Lehen um 1200 durch Konrad Reiz von Lützelbach errichtet. Seine Familie nannte sich nach der Burg, von Breuberg. Nach dem Aussterben der Breuberger 1329 wurde die Burg unter verschiedenen Besitzern aufgeteilt. Die Anlage der Vorburg und des Zwingers entstand Ende des 14. Jahrhunderts.
Ab 1497 sind die Grafen von Wertheim alleinige Besitzer der Burg. Der Ausbau zur Festung und Residenz geschah 1499-1531. Seit dem 17. Jahrhundert, nach dem Aussterben der Wertheimer, ist die Anlage wieder im Besitz mehrer Adelsfamilien, welche verschiedene repräsentative Wohn- und Verwaltungsbauten errichteten.
Nach eintretendem Verfall und teilweisen Abbrüchen wurde die Burg ab 1858 renoviert. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burg Breuberg auf unterschiedlichste Weise genutzt: als
herrschaftlicher Sitz von Adelsfamilien, als Landratsamt, aber auch als Zwangsarbeiterlager während der NS-Diktatur und sogar als Sitz einer Spielzeugfabrik.
Neben dem Museum des „Breuberg-Bundes“ und einer Gaststätte befindet sich heute auch eine moderne Jugendherberge auf der Burg.

Die Burg Breuberg kann das ganze Jahr über besichtigt werden. Allerdings ist im Moment, bedingt die Corona-Maßnahmen, der Innenhof nicht zugänglich, d.h. der Bergfried kann nicht besichtigt werden. Die Jugendherberge, die Gaststätte und das Museum sind geschlossen. Alle Aktivitäten ruhen im Moment. Wann es wieder weitergeht, das kann im Moment niemand sagen.

 

Vom Breilecker am Breiberg

Rechts am Eingangstor zur Burg lugt ein bärtiges, lebensgroßes Menschenhaupt, ein Krieger- oder Trutzkopf, mit vorgestreckter Zunge aus dem Burggemäuer heraus. Im Volksmund heißt er nur „Der Breilecker“. Diese Skulptur hat der Volksfantasie Anlass zur Sage vom „Breilecker am Breiberg“ gegeben. Diese Sage wird in mehrere Fassungen erzählt. Eine davon ist diese:

 

Der Breilecker

Ein anderes Mal kamen die Otzberger wieder gezogen. Jetzt hatten sie aber noch schwerere Kanonen bei sich. Sie wollten die dicken Mauern der Burg umschießen und den Breuberg der Erde gleich machen. Bum, bum! – Bum, bum! – Doch weit gefehlt. Die Kugeln prallten ab an den riesigen Quadersteinen; nur eine Stückkugel blieb stecken, gleich rechts vor dem Tor, da kann man sie heute noch sehen.
Die Breuberger verließen sich auf ihre feste Burg und verloren den Mut nicht. Wenn es draußen blitzte und krachte, jauchzten die Burgleute, und der Roßbub schlug im Hof drei Purzelbäume. An einem Mittag standen sie draußen auf der Wacht hinter der Mauer. Dabei kochten sie einen Kessel voll Hirsebrei; und als sie sich setzten und sich den Brei nun schmecken lassen wollten, da flog eine Kugel wider den Turm, prallte ab und, plumps, da fiel sie mitten in den Kessel. Der Brei spritzte heraus, aber Werner, ein richtiger Spaßvogel, leckte ihn vom Boden auf, sprang auf die Mauer und streckte den Feinden die Zunge heraus. Gleich schossen die Otzberger nach ihm, aber sie trafen ihn nicht. Wie lachten da die Burgleute, und der ganze Haufen schrie: „Werner, du bist unser Kühnster, du sollst uns allezeit die Burg bewachen!“ Dietrich, der Steinmetz, holte den Hammer und meißelte in einen vorspringenden Stein neben dem Tor Werner, den Breilecker. Da schaut er noch heute herunter, dieser Spaßvogel im Kettenpanzer, er streckt allen die Zunge heraus, die bei geschlossenem Tor die Burg nicht betreten können. Die Tür ist verriegelt, und an der schweren Kette hängt ein dicker, dicker Ring. Wer ihn durchbeißt, bekommt den Breuberg und all das Land ringsum, die ganze „Herrschaft“. Viele tausend Buben und Mädchen haben es schon probiert, aber der eiserne Ring blieb ganz, und der Breilecker, von dem der „Breiberg“ seinen Namen haben soll, hat sie alle ausgelacht. Auch mir hat er die Zunge herausgestreckt.   Nach Glenz, Heimatsagen