Über Jahrhunderte war der Odenwald vom Rest der Welt wie abgeschnitten. Aber auch innerhalb des Odenwaldes waren die Straßen, soweit man hier von Straßen sprechen konnte, katastrophal. Aufgrund der schlechten Verkehrsverhältnisse rieten nicht wenige Reiseschriftsteller, sich im Odenwald auf Fahrten in der Kutsche erst gar nicht einzulassen. Ein Frankfurter, der 1821 mit der Kutsche von Reichelsheim nach Erbach fuhr, beschrieb das so:
„Was soll oder kann ich Neues über die Reisestrecke von Reichelsheim bis Erbach sagen? Furchtbare Wege, auf welchen der Wagen oft in Trümmer zu gehen schien und wir jeden Augenblick herabzufliegen glaubten, steile Höhen, die wir, um die Pferde zu schonen, zu Fuß im geselligen Vereine erstiegen …“
Unter der neuen Herrschaft Hessen-Darmstadt wurden in diesem Teil des Odenwaldes ab Mitte des 19. Jahrhunderts Staatsstraßen gebaut, die die Verkehrsverhältnisse wesentlich verbesserten.

Die erste Eisenbahnlinie in Deutschland, von Nürnberg nach Fürth, wurde 1835 eröffnet. Über eine Odenwaldbahn wurde bereits seit den 1850er Jahren heftig diskutiert. Die Geburtsstunde der Odenwaldbahn war am 28. Januar 1861, in einer Versammlung im Rathaus Erbach, in der wichtige Beschlüsse, den Bahnbau im Odenwald betreffend, gefasst wurden. Diese Versammlung war die Geburtsstunde der Odenwaldbahn. Ein großes Aufatmen ging durch den Odenwald, erwartete man nun endlich doch auch einen wirtschaftlichen Aufschwung für diese arme Region.

 

Vor 150 Jahren fuhr der erste Zug in Reinheim ein

Im Februar 1869 wurde mit dem Bau der Odenwaldbahn am Hauptbahnhof in Darmstadt begonnen. Bereits zwei Jahre später wurde die Teilstrecke Darmstadt – Reinheim eröffnet. Am 15. Mai 1871 lief der erste Zug auf dem Bahnhof in Reinheim ein..

Das Bild vom Reinheimer Bahnhof ist von einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1899. Die rege Betriebsamkeit verdeutlicht die Bedeutung des Bahnhofs Reinheim als Knotenpunkt von drei Bahnlinien.

Im September 1868 begannen die Arbeiten am  Tunnel bei Frau-Nauses zwischen Wiebelsbach und Höchst. Für den Tunnel- und Brückenbau wurden Arbeiter aus ganz Deutschland angeworben, und auch aus Italien, Österreich und Frankreich kamen Arbeiter. Meist arbeiteten sie als Steinmetze, Maurer, Straßenarbeiter und Steinbrecher. Viele blieben nach dem Bahnbau hier und ließen ihre Familien nachkommen.
Bei dem  Tunnelbau kam es immer wieder zu schweren Unfällen, bei denen sechs Menschen starben. An Weihnachten 1870 war de mühselige Tunnelbau beendet. Die Weiterführung der Strecke durch das Mümlingtal nach Erbach war problemlos und ging schnell voran.

Am 11. Dezember 1871 fuhr die erste Lokomotive auf dem Erbacher Bahnhof ein. Offiziell wurde die Teilstrecke Reinheim – Erbach am 23, Dezember eingeweiht.

 

Das letzte Teilstück hat es in sich

Das letzte Teilstück von Erbach nach Eberbach am Neckar wurde am 1. Juni 1882 eröffnet. Bis es soweit war, waren noch zwei Herausforderungen zu bewältigen: das Himbächel-Viadukt und der Bau des Krähberg-Tunnels. Mit dem Bau des Viadukts, oberhalb von Ebersberg, wurde am 1. Juni 1880 begonnen.

Das Bauwerk ist ganz aus heimischem Buntsandstein hergestellt. Zehn Halbkreisbogen von jeweils 20 m Spannweite bei einer Maximalhöhe von 40 m und einer Länge von 250 m machen das Himbächel-Viadukt zu einem der größten Bauwerke dieser Art in Deutschland. Der Schlussstein wurde am 24. September 1884 gesetzt.
Die Arbeiten zum Krähberg-Tunnel begannen im Somemr 1878. Von zwei Seiten aus, von Hetzbach und von Schöllenbach, wurde mit dem Tunnelbau begonnen. Auch hier kam es beim Tunnelbau zu Unglücksfällen, bei denen zwei Arbeiter ums Leben kamen. Insgesamt verloren beim Bau der Odenwaldbahn elf Menschen ihr Leben.
Am3. August 1881 waren die Arbeiten an Deutschlands zweitlängstem Eisenbahntunnel beendet.

Auf ihrer Fahrt von Darmstadt nach Eberbach muss die Odenwaldbahn 85 km zurücklegen. Die Strecke insgesamt ist sehr reizvoll, besonders aber der Streckenabschnitt zwischen Erbach und Eberbach, so daß die Odenwaldbahn zu den schönsten Mittelgebirgsbahnen in Deutschland zählt.

Veteranenfahrt 2007