Es war mal wieder so ein typischer Sonntagnachmittag. Keine rechte Lust etwas zu unternehmen, aber einfach den Nachmittag auf der Couch zu verbringen, das ging natürlich auch nicht. Das Wetter war okay und so stand einer Radtour nichts im Wege. Aber wohin? Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich zu einer Fahrt nach Reichelsheim zum Schloss Reichenberg. Dort war ich schon sehr lange nicht mehr gewesen. Ich war neugierig, und wollte mal schauen, was sich dort in den letzten Jahren getan hatte. Die Streckenführung ist kein Problem. Immer auf den Radwegen bleiben und dabei einfach nicht die Gersprenz aus den Augen verlieren. Sie führt uns direkt nach Reichelsheim. Doch erst ab dem Zusammenfluss von Mergbach und Osterbach, bei Beerfurth, wird daraus die Gersprenz. Also, folgen wir die letzten Kilometer dem Mergbach.

Feld zwischen Brensbach und Fränkisch-Crumbach: Der Weizen wird reif. Die Zeit der Mohnblumen geht bald zu Ende.

Feld zwischen Brensbach und Fränkisch-Crumbach: Der Weizen wird reif. Die Zeit der Mohnblumen geht bald zu Ende.

Nach der Bockenröder Mühle führt der Radweg am Fronhof vorbei. Gleich hinter dem Fronhof, oben rechts auf dem Berg, ist dann das Schloss Reichenberg schon zu sehen. In Reichelsheim auf dem Michelsmarkt-Festplatz der Beschilderung „Schloss Reichenberg“ folgen. Die Fahrt durch‘s Gersprenztal war eher entspannend, die letzten Meter auf den Schlossberg haben es dann doch in sich. Aber Dank der Unterstützung durch den Elektromotor am Fahrrad war das auch kein Problem.

Das Schloss Reichenberg ist eigentlich kein Schloss, sondern die Burgruine einer Höhenburg, die Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. Als Erbauer gilt der Erbacher Schenk Johann I. Der sogenannte „Krumme Bau“ ist das älteste noch erhaltene Gebäude auf dem Schlossberg. 1307 wird Burg Reichenberg erstmals urkundlich als Richenburg bzw. Rychenburg, erwähnt. Ca. 1370 wird die Kernburg um die Vorburg mit weiträumigen Wirtschaftsgebäuden erweitert und die Gotische Kapelle als Bestandteil der Wehrmauer errichtet. Die Burganlage wird ständig erweitert. 1557 wird der bis heute erhaltene Renaissance-Ziehburg gebaut. Im 30jährigen Krieg, ab 1620, wird Burg Reichenberg zum Zufluchtsort für die Bewohner aus Reichelsheim und Umgebung.

Die gotische Michaelskapelle neben dem Schlosstor.

Die gotische Michaelskapelle neben dem Schlosstor.

Auf dem Reichenberg wird weiter umgebaut. Ab 1723 wird aus dem Wirtschaftsgebäude das Amtshaus. Die Erbacher Grafen verlassen 1731 den Reichenberg und ziehen in das neu erbaute Schloss nach Erbach. Das Amtshaus wird 1825 in den Ort verlegt. Das Schloss dient jetzt nur noch als Getreidelager oder Steinbruch. Die obere Burganlage verfällt. Danach wurde die Burg als „Deutsche Familien-Schule Schloss Reichenberg“ bekannt und war ein Ausbildungsort für die Söhne reicher Familien aus ganz Europa. 1924 wurde das Schloss an Jakob Siefert vom Fronhof verkauft, der sie vor dem Verfall rettete. Sie war Pension, Erholungsheim, und dann – bis heute – Begegnungs- und Tagungsstätte mit Schlosscafé und einem Erlebnisparcours für Schulklassen, Familien und Jugendgruppen. Das Schloss befindet sich heute im Privatbesitz. Der Zutritt ist kostenfrei. Parken kann man auf dem kleinen Parkplatz am Weg, ca. 300 m von der Burg entfernt.

Blick von der Schlosscafe-Terrasse auf Reichelsheim.

Blick von der Schlosscafe-Terrasse auf Reichelsheim.

Ja, die Fahrt zum Schloss Reichenberg hat sich gelohnt. Es war richtig schön, nach so vielen Jahren wieder mal hier oben zu sein. Es hat sich viel zum Positiven verändert auf Schloss Reichenberg. Und allein der herrliche Blick von der Schlossterrasse, bei Kaffee und Kuchen, ist schon die Fahrt wert.
Kurzentschlossen habe ich mich entschieden, die gleiche Strecke auch für den Rückweg zu nehmen. Die Fahrt auf dem Fahrradstreifen entlang der Bundesstraße, das muss man sich ja nicht antun. Zu Hause in Ueberau habe ich auf den Kilometerzähler geschaut: 46,8 km bin ich insgesamt geradelt.

Blick in den Bauerngarten der Stegmühle in Fränkisch-Crumbach.

Blick in den Bauerngarten der Stegmühle in Fränkisch-Crumbach.