Isch wohr noch goar nidd ford

Der „Eck-Fritz“ war ein gewissenhafter Zeitgenosse, der nichts dem Zufall überließ. Er hatte eine kleine Landwirtschaft in Lengfeld, war aber in erster Linie berufstätig. Fritz war ein sogenannter „Fünf-Uhr-Bauer“. Heute würde man sagen, er betrieb seine Landwirtschaft im Nebenerwerb.

Es war nicht einfach für ihn in den vergangenen Jahren. Er hatte es in seinem Berufsleben schon mit den verschiedensten Arbeiten versucht, bis er dann seinen „Traumjob“ in Groß-Umstadt in der „BBC“ (Resopal) gefunden hat. Den Weg zu seinem Arbeitsplatz bewältigte er seinerzeit mit seinem Moped.

Eines Morgens hatte er sich auch wieder auf den Weg zur Arbeit gemacht. Er fuhr von seinem Haus aus die Borngasse hoch bis zur Hauptstraße und bog am „Borngasse-Brunne“ (Bild oben) rechts ab. Doch dann blieb sein Moped einfach stehen und war durch nichts mehr zum Weiterfahren zu bewegen. Anstatt sein Moped die gut 100 m nach Hause zu schieben, schob er es in die 25 m entfernte „Fanal-Tankstelle“. Den Inhaber, der auch eine Reparatur-Werkstatt betrieb, kannte er gut. „Heunrich, konn ich bei dehr mol noch meum Moped gucke, däs hott de Geist uffgäwwe“. „Ja, konnsde. Schiebs hinne neu, du waasd joa, wous Werkzeisch iss.“

Da er keine halben Sachen machte, nahm er das Moped komplett auseinander. So gegen 9.00 Uhr war es Zeit für das Frühstück. Das Frühstücksbrot, und auch den Tender für das Mittagessen, hatte er ja in seiner alten, abgewetzten Arbeitstasche.

Nach dem Frühstück ging es weiter. Um kurz vor Zwölf schaute Anna, die Hausfrau, aus dem Fenster und rief ihm zu: „Fritz, soll ich‘de deun Tender woarm mache?“ „Ou ja, däs wehr gut, do muss ich es Kaddoffelgemies nidd koald ässe.“

Kurz nach Drei war es soweit. Das Moped war repariert, zusammengebaut und lief wieder. Er startete und fuhr die 100 m zurück zu seinem Hof und stellte das Moped an gewohnter Stelle ab.

„Ei Fritz, du kimmsd joa heid frieher hoam,“ begrüßte ihn seine Frau Frieda. „Isch kumm goar nidd friehjer hoam“, brummte da der Eck-Fritz, „isch wohr noch goar nidd ford!“

 

Ein Moped, das war damals schon etwas. Das Bild unten wurde im Sommer 1956 aufgenommen und zeigt vier junge Ueberauer beim Start zur großen Tour über den St. Gotthard-Pass zum Lago Magiore..