Die Menhiranlage in den Scheftheimer Wiesen

Drei, vier mal im Jahr zieht es mich zu den Menhiren, oder Hinkelsteinen, nach Roßdorf. Die Menhire aus der Jungsteinzeit stehen am östlichen Rand der Hirtenwiese im Naturschutzgebiet Scheftheimer Wiesen zwischen Darmstadt und Roßdorf.
Diese Anlage ist von Ueberau aus bequem mit dem Rad zu erreichen. Ich fahre über den Reinheimer Teich  nach Spachbrücken und dort auf den Radweg in Richtung Darmstadt/Ober-Ramstadt, entlang der B 38. Direkt am Radweg liegt der alte Roßdörfer Bahnhof.

Alter Bahnhof, 1897 bis 1982 Bahnhof der Eisenbahnstrecke Darmstadt-Ost – Groß-Zimmern, seit 1988 Museum und Galerie.

Ein gutes Stück hinter dem Bahnhof zweigt der Radweg nach Darmstadt links ab. Zur Menhiranlage geht es geradeaus weiter in Richtung Messel / Prinz Heinrich Grube. Nach der Brücke über die B 38 links abbiegen und dem Radweg in Richtung Darmstadt-Arheilgen folgen, bis zum dem Hinweis „Menhiranlage“ . HIer links abbiegen und nach gut 100 m rechts einbiegen, dann ist das Ziel erreicht.

Es ist ein stiller und abgelegener Ort am Ruthsenbach unter den Bäumen. Große Steinblöcke liegen hier, wie sie nur selten bei uns zu sehen sind. Erst seit gut 50 Jahren sind diese Steine wieder sichtbar, sie waren in der Erde verborgen. Sie müssen sehr lange dort gelegen haben, denn es gibt keine Erinnerung an sie, keinen Flurnamen, keine Sagen oder Legenden.

Menhiranlage Roßdorf

Umgestürzter Baum am Ruthsenbach.

Durch Zufall und durch die Aufmerksamkeit des Roßdörfer Heimatforscher Heinrich Gunkel sind die Steine 1967 gefunden worden: Vierzehn Menhire aus Granitporphyr in unterschiedlichen Größen. Ursprünglich floss der Ruthsenbach durch die Wiese, wurde dann aber in heutiger Zeit umgelegt. Von den sieben, heute noch vorhandenen Steinen, lagen die meisten im Bach und mussten aufgerichtet werden.

Menhire (Menhir bedeutet langer Stein) sind Zeugnisse kultischer Vorstellung, die sich während der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends über weite Teile Europas verbreitete. Sie sind von Frankreich über das nördliche Oberrheingebiet und Hessen bis nach Mitteldeutschland zu finden. Die wohl bekanntesten Menhire stehen bei Carnac in der Bretagne, wo über tausend Steine zu kilometerlangen Allee angeordnet sind. Auch auf den britischen Inseln gibt es eine große Zahl von Reihen und Kreisen aus großen, aufrechtstehenden Steinen, die alle zur Megalithkultur gehören.

Menhiranlage Roßdorf

Man weiß nicht, wer diese Steine mühsam auf die Hirtenwiese am südlichen Ende der Scheftheimer Wiesen gebracht hat.

 

Menhir mit Bearbeitungssspuren.

 

Cromlech

Blick auf die Scheftheimer Wiesen.

1993 wurde das Naturschutzgebiet „Scheftheimer Wiesen“ ausgewiesen, in dem sich auch die Anlage befindet. Ein Betreten war seitdem nur mit Sondererlaubnis möglich. Seit Februar 2011 als die Brücke über den Ruthsenbach und ein neuer Zugang zu den Menhiren angelegt wurde, kann die Steinkreisanlage ohne Genehmigung betreten werden. Die Anlage ist einmalig in Hessen. In der näheren Umgebung liegen Siedlungsreste der jungsteinzeitlichen Rössner Kultur und der Eisenzeit.

Gemäß der Schutzgebietsverordnung ist es verboten, das Naturschutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten. Diese Bestimmung dient der artenreichen Wiesenvegetation und den hier vorkommenden bodenbrütenden Vogelarten.

Koordinaten der Menhiranlage:: 49°52’21.28″ N, 08°43’40.60″ O