Die Burgruine Schnellerts liegt bei dem kleinen Örtchen Stierbach, das südlich von Brensbach und östlich von Fränkisch-Crumbach liegt. In unmittelbarer Nähe des Ortes verläuft die B38, von der man in Nieder-Kainsbach abbiegen muss, um nach Stierbach zu gelangen. Von der Hauptstraße aus folgt man der Ausweisung zum Wandererparkplatz „Wildgehege“ (N49.74574, E8.89445). Der Name ist etwas irreführend, denn an das Wildgehege erinnert nur noch der Name.
Hier werden drei Rundwanderungen angeboten. Eine davon ist der Schnellertsweg (Nr. 6), ein empfehlenswerter Rundweg, mit schönen Aussichtspunkten, der mit 5,6 km und einer Zeit 1¾ Stunden angegeben ist. Wer nicht so lange laufen möchte, kann sein Auto auch auf dem Parkplatz oberhalb der Ferienhaussiedlung „Schnellertsberg“ abstellen (N49.74381, E8.89065).

Zunächst geht es, überwiegend durch Mischwald, moderat bergauf. Oben auf der Höhe hat man einen tollen Ausblick. Affhöllerbach schmiegt sich in das Tal und hinten links sieht man den Roßberg.

Die Nr. 6 führt uns weiter durch den Wald. Auf einem Haselnussstrauch tummelten sich jede Menge „Admirale“ in der Herbstsonne. Nach Verlassen des Waldes sind die ersten Häuser von Böllstein zu sehen. .

Nach ein paar Hundert Metern über Feldwege geht es dann noch ein ganzes Stück im Wald weiter. Am Endes des Pfades ist der Ostzugang (Bild unten) der ehemaligen Burganlage.

Die Burgruine Schnellerts liegt in einer Lichtung auf dem höchsten Punkt des gleichnamigen Berges (350 m). Erbauer und Besitzer sind nicht bekannt. Durch archäologische Ausgrabungen seit 1976 wurde nicht nur das Burgareal erforscht, sondern auch deren zeitliche Einordnung ermöglicht. Die im Grundriss sechseckige Anlage entstand im späten 13. Jahrhundert. An der steileren Westflanke des Berges war der Zugang mit einem Torhaus, gegenüber an der etwas flacheren Ostseite sicherte ein runder Bergfried und eine verstärkte Schildmauer die Wehranlage.

Um die Wehrmauer ist im Gelände noch gut der ehemalige Burggraben erkennbar. An die Außenmauern lehnte sich eine Randbebauung, teilweise in Fachwerkbauweise. Mitten im Burgareal stand ein weiterer Bau, in dessen Bereich u. a. das Bruchstück einer Glocke gefunden wurde. Brandspuren (Hüttenlehm) und Waffenfunde deuten auf eine gewaltsame Zerstörung der Burg „Schnellerts“ im frühen 14. Jahrhundert hin. Nach der Datierung der Ruine vermuten Historiker, dass die kleine Burg auf dem Schnellerts als Sitz eines nachgeordneten Lehnsmanns in den Auseinandersetzungen zwischen den Herrn von Breuberg, Crumbach-Rodenstein und Erbach eine Rolle gespielt haben mag. In einer der Auseinandersetzungen zwischen diesen Herrschaften wird sie denn auch ihr Ende gefunden haben.

Neben den alten Mauerresten steht auf dem Gelände der Burgruine eine Schutzhütte neueren Datums. Hier können sich die Besucher auf Infotafeln über die Geschichte der Burg informieren. Im Freien befinden sich zudem noch einige Bänke und Tische, die zu einer Rast einladen. Die gesamte Atmosphäre des Ortes strahlt etwas Mystisches und Sagenumwobenes aus und regt daher auch die Fantasie, besonders für Kinder, an. Wie könnte es früher hier ausgesehen haben? Wie haben die Menschen auf der Burg gelebt? Wohnten hier auch Ritter, die durch ihre Heldentaten zu besonderen Ehren kamen? Des Weiteren lässt sich zwischen den alten Mauersteinen herrlich Verstecken spielen.

 

Burg Schnellerts – sagenumwoben

Der Sage nach stehen der Schnellertsberg und die Ruine in enger Beziehung mit der nahegelegenen Burg Rodenstein. Ein Geisterheer soll hier sein Unwesen treiben und nächtens waffenklirrend und huftrappelnd zwischen den beiden Burgen hin- und herziehen. Zu Kriegszeiten soll der kampfeslüsternde Rodensteiner mit seinen Leuten von der Burg Schnellerts zur Burg Rodenstein reiten und bei Anbruch des Friedens wieder hierher zurückkehren. Er wurde von seiner Frau zu diesem ruhelosen Dasein auf ihrem Sterbebett verflucht, nachdem er sie vor der Geburt ihres Sohnes im Stich gelassen hatte, um seiner Kriegslust zu frönen. Bauern der Gegend wollen das wilde Geisterheer gesehen und ein Schmied will gar die Hufe des Streitrosses des Ritters beschlagen haben.

Der nächtliche Reiter in der Haal

Eine Frau aus der Haal, einem Hofe in der Nähe des Schnellerts, ging abends spät noch um das Hause herum. Da kam es ihr vor, als ob ein Mensch sie stark anhauche. Als sie aufschaute, sah sie, daß sie unter dem Halse eines Pferdes stand, auf dem ein Reiter saß. In ihrer Angst betrachtete sie weder jenes noch diesen näher, sondern lief schnell in die Stube wieder zurück. Da sagten ihr die übrigen Hausbewohner, es habe eben dreimal an einen Pfosten geschlagen, daß die Fenster gezittert hätten. (Das aber pflegt der Schnellertsgeist stets zu tun, wenn er durch die Haal fährt.)
In den Protokollen über des Geistes Erscheinen findet sich, daß die Mutter des dort wohnenden Bauern den Geist gesehen haben wolle, wie er auf das Fenster zuritt, worauf es gleich dreimal an dasselbe schlug.
Aber als die Leute herausliefen, sahen sie wie gewöhnlich – nichts, hörten aber am anderen Morgen, wie der Geist, vom Rodenstein kommend, wieder nach dem Schnellerts zurückfuhr. Wolf, Hessische Sagen

 

Das wilde Heer in der Küche

Die Hofraithe in Brensbach, durch welche der Geist aus dem Schnellerts seinen Zug genommen haben soll, liegt im oberen Teil des Ortes. Diese Hofraithe, wie noch zwei andere daselbst welche noch vor 50 Jahren standen, waren im ältesten Baustil der Bauernhofraithen aufgebaut, und schienen den ehemaligen Herrn von Brensbach angehört zu haben.
Ein älterer Besitzer der Hofraithe, durch dessen Scheuer der Berggeist zog, war willens, eines Morgens vor Tag über Feld zu fahren. Er sagte daher seiner Frau, sie solle früh aufstehen, ihm sein Frühstück zu bereiten. Morgens, als er um seine Pferde zu füttern aufstand, ging er durch die Küche und sah zu seiner Verwunderung noch ein großes Kohlenfeuer auf dem Herd. Nachdem er gefüttert hatte, mahnte er seine Frau, jetzt aufzustehen, da sie noch Feuer genug auf dem Herd habe. Als aber die Frau aufgestanden war und die Morgensuppe kochen wollte, fand sie keinen Funken Feuer, weder auf dem Herd, noch in der Asche. Das Feuer rührte aber von dem wilden Heer, welches in der Nacht in der Küche gewirtschaftet hatte. Denn es war gar nichts Seltenes, daß die Geister nachts in die Küche einkehrten, die Kessel über das Feuer hingen, endlich auch Schüsseln und Teller nahmen und Mahlzeiten hielten. Im Jahr 1804 hat man dies letzten Mal wahrgenommen. Wolf, Hessische Sagen