Wie die Pizza nach Reinheim kam – oder: Was der Bauer nicht kennt . . .

Unter dem klangvollen Namen „Sabbie di Capri“ wurde im März 1952 in Würzburg die erste Pizzeria in Deutschland eröffnet. Gut, dass die meisten Deutschen der italienischen Sprache nicht mächtig waren, denn „Sabbie di Capri“ klingt zwar sehr schön und heißt übersetzt „Sand von Capri“. Doch dahinter würde man eher eine Baustelle vermuten, als eine Pizzeria. Trotzdem begann von hier aus der nicht aufzuhaltende Siegeszug der Pizza in Deutschland.
Mitte der 1960er Jahre kam die Pizza, besser gesagt eine Pizzeria, nach Reinheim. Im Gasthaus „Zur alten Post“ eröffnete Pedro sein Ristorante. Das war die erste Pizzeria in Südhessen überhaupt. Damit hatte Reinheim der Weltstadt Wien etwas voraus, denn erst 1975 wurde in Wien die erste Pizzeria eröffnet.
Die Pizzeria lief von Anfang an gut. Italien-Urlauber, die schon im Urlaub zu „Pizza-Fans“ wurden, kamen ebenso in die Pizzeria wie viele neugierige Einheimische, die einfach nur mal eine „Maffia-Torte“ probieren wollten. Allein schon deshalb, damit man mitreden konnte, wenn die Rede auf die italienische Küche und die Pizzeria in Reinheim kam.

So ging es auch Erich und seiner Frau Hedwig. Die Beiden waren bis jetzt weder in Italien, noch in einer Pizzeria gewesen. Mit den Worten: „Hedwisch, ich load dich am Samsdoach zum Idaliener eu. Mer gugge mol, woaos ess dort gitt.“ Hedwig war einverstanden, aber ihr war nicht ganz wohl bei dem Gedanken. Pizza hatte sie noch nie gegessen, und wer weiß, was die Italiener so alles auf die Pizza legen. Da waren bestimmt Sachen dabei die sie nicht kannte, und die ihr nicht schmecken würden.
Das hielt sie aber nicht davon ab, mit Erich in die „Alte Post“ zu gehen. Das Lokal war voll. Der Kellner begrüßte sie auf italienisch und präsentierte ihnen die Speisekarte. Außer den italienischen Klassikern gab es Pasta, also Nudeln, und Pizzen in allen Variationen. Viele Zutaten wie z.B. Artischoken, Auberginen und Sardellen, das kannten die Beiden nicht. Sie entscheiden deshalb für eine Pizza-Mix mit Salami, Schinken, Käse und Pilzen. Um auf Nummer sicher zu gehen bestellten sie nur eine Pizza, denn „mer misse erschd emol prowiern, wie däs schmäckt“, sagte Erich.
Gespannt warteten sie auf ihre Pizza. Erich sah sich derweil im Lokal um, und entdeckte dabei Bekannte, die in der anderen Ecke saßen. „Hedwisch, do hinne sitzt de Heuner unn die Annemarie.“ Hedwig drehte sich um, kniff die Augen zusammen und schaute in die angegebene Richtung: „Däs iss nidd de Heuner. De Heuner hodd koan weiße Board.“ Erich sah nun noch mal genauer hin und sagte: „Doch, doch, däs iss de Heuner, der isst Spageddi.“