Der Lichtenklinger Hof ist ein geheimnisvoller, sagenumwobener Ort im südlichen Odenwald bei Siedelsbrunn. Es ist ein altes, heidnisches Quellheiligtum, das schon die Kelten gekannt haben.

 

LICHTENKLINGER HOF – ein mystischer Ort im Odenwald

Es gibt zahlreiche Wandermöglichkeiten, Langstrecken als auch kürzere Wanderwege zum, über und um den Lichtenklinger Hof. Ein idealer Ausgangspunkt ist der Parkplatz Hardberg am Bürgerhaus in Siedelsbrunn. An der Infotafel kann man sich die passende Route aussuchen. Ich habe mich für den gut markierten Rundweg Si4 entschieden, der mit 6,2 km angegeben ist.
An diesem Freitag Vormittag begegnete mir auf dem ganzen Rundweg, und auch an der Ruine der Kapelle „St. Maria in Lichtenklingen“, meinem eigentlichen Ziel, kein Mensch. Es war ein einsamer Spaziergang, den ich sehr genossen habe. Knapp 600 Meter hoch sind hier die Berge des Überwaldes, und an einem sonnigen Wochenende ist es hier schon lebhafter.
Nach gut drei Kilometer hatte ich mein Ziel, den Lichtenklinger Hof, erreicht. Man findet hier in der Kapellenruine neben christlichen Gegenständen, die bei der Andacht benutzt werden, auch Opfergaben aus dem esoterischen Umfeld.
Um diesen mystischen Ort ranken sich viele Sagen und Geschichten, die wohl alle ins Reich der Fantasie gehören. Das tut der Sache aber keinen Abbruch, denn sagenhaft schön ist es hier auf jeden Fall.

 

Kapellenruine Lichtenklingen und die Sage von der „weißen Frau“

 

Das frühere Hofgut liegt am Fuße des Hardberges in der Gemarkung Waldmichelbach und besteht aus einer Kapellenruine, Brunnenanlage und dem ehemaligen Forsthaus. Das Anwesen gehört dem Land Hessen und steht unter Denkmalschutz.

Vermutlich waren es Mönche aus dem Kloster Lorsch, die im 13. Jahrhundert an einem verschwiegenen Ort oberhalb des Eiterbachtales über einem ehemals keltischen Quellheiligtum eine Kapelle errichteten und das umliegende Land urbar machten. Die urkundliche Erwähnung dieser Kapelle erfolgte 1387. Zu dieser Zeit war die Kapelle Stätte einer Marienwallfahrt und Karmelitermönche aus Weinheim versahen den Gottesdienst.

Die Wallfahrten wurden mit Beginn der Reformation in der Mitte des 16. Jahrhunderts schließlich verboten. Die Marienkapelle wurde daraufhin aufgegeben und von Kurfürst Otto Heinrich 1563 zum Abriss freigegeben. Die Steine wurden zum Wiederaufbau von Lindenfels verwendet, das durch einen Brand zerstört wurde. Heute sind von der Kapelle nur noch die Grundmauern und ein Teil der Seitenwände erhalten.

Gegenüber der Ruine ist ein Laufbrunnen aus Buntsandstein, der vermutlich zwischen 1800 und 1830 errichtet wurde, und aus der heiligen Quelle unter der Ruine gespeist wird.

Der Brunnenstock, ursprünglich mit zwei Röhren, ist mit verschiedenen heidnischen Symbolen verziert, z.B. einem Blütenblätterkranz (Symbol für Wachstum) und einer Halbrosette (aufgehende Sonne). Dem Quellwasser wird heilende Wirkung zugesprochen und soll der Sage nach unfruchtbaren Frauen zu Kindern verholfen haben.

Einige Sagen ranken sich um den geheimnisvollen Ort. Nachdem die Kapelle verfallen war und der Bauer den Hof verlassen hat, war es am Lichtenklinger Hof nicht mehr geheuer. Zu der Zeit kam jede Nacht eine „weiße Frau“ zur Familie des Holzhauers und wiegte sein Kind n den Schlaf. Als die Frau eines Nachts auch im Forsthaus erschienen war und der Förster auf sie schießen wollte, versagte der Sage nach sein Gewehr und sein Arm wurde steif. Die „weise Frau“ ward danach nicht mehr gesehen.

Eine andere Sage erzählt, dass die Statue der Muttergottes von einigen Männern nach Unter-Abtsteinach entführt worden sei, von wo sie trotz Bewachung an ihren alten Platz zurück gekehrt ist. Ein zweiter Versuch ist ebenso gescheitert und erst bei dritten Mal ist sie endgültig dort geblieben. Die Muttergottesstatue aus Holz hat heute noch ihren Platz in Unterabtsteinach. Als Dank wird sie bei einer Wallfahrt an Maria Himmelfahrt von Siedelsbrunn nach Lichtenklingen getragen.