Die Ueberauer Mühle / Dieters Mühle, in alten Urkunden auch Knorrsche Mühle genannt, lag zwischen Reinheim und Ueberau an der Gersprenz, dicht an der Gemarkungsgrenze.

In einem Erbleihbrief von 1623 erlaubt Landgraf Ludwig von Hessen „Philip Kolb und Christman Scheimbachen (Bürgern zu Reinheim), eine Mühle mit zweyen Gängen zu bauen“, die sie auf eigene Kosten errichten und auch unterhalten sollen. Hierzu verleiht er beiden gleichzeitig einen „Wasserfall zu zweyen Mahlgängen“.

Im Laufe der Jahrhunderte wechselten häufig die Müller. Nach der Allodifikation (Umwandlung von Lehen in Privateigentum) erhält 1819 Johannes Dieter die Mühle. Er gibt 1883 den Betrieb an seinen Sohn Johann Friedrich weiter. Dieser war schon einige Jahre vorher als Müller auf der Tannenmühle. Er läßt einen Dynamo in die Mühle einbauen, so dass 1895 Ueberau als eine der ersten Gemeinden in der Umgebung mit elektrischem Strom versorgt werden kann. 1911 ersetzt er die Wasserräder durch eine Turbine, der 1923 noch eine zweite folgt. Im Jahre 1937 übernimmt die HEAG die Stromversorgung in diesem Gebiet.

Der letzte Müller, Georg Anton Dieter, erhält 1918 die Mühle. Er modernisiert den Betrieb, baut einen Dieselmotor und Walzenstühle ein und führt sie bis zu seinem Tode 1953. Danach wird die Mühle stillgelegt und 1978 abgerissen.

Heute erinnert eine Gedenktafel an Ortseingang daran, dass hier einmal die Ueberau Mühle stand.

Die Ueberauer Mühle – Aquarell von Th. Meyer

 

Die oald Miehl

Dort näwer die Wies’, wo de Weirebaam steht
leeft die Besch, die frieher es Miehlroad gedreht.
Sie is in de Spur, in ehrm Bettsche gebleewe
un hett gärn weirer es Miehlroad getreewe.
Doch ’s Road un die Miehlstoa, häwwe nix meh zu duh,
stehn still un verotte, die Miehl ist längst zu.
Vebei däs Geklabber! Die Zeite sinn rimm –
wo die Bauer’n mim Fuhrwerk zum moahle kumme sinn:
de Waas fer de Kuche, es Korn fer es Brot
un Hawwer un Gerschte – fers Fudder als Schrot.

Heit werd däs in grouße Fabrike vemahlt,
un mancher, der ’s Brot im Geschäft dann bezahlt
waas nit mehr, wo ’s herkimmt – es is em egal
Die Hauptsach’ es is Auswahl genung im Regal!
Doch Kornfelder gitts noch, mer muß se ner sähje
aach Klatschmohn und Rade, wo zwischedrin bliehje
’s git Noacht noch un Doach, ’s git Ernte un Saat,
un e Nachtigall, die an ’me Maiowend schlaht.
Ach, helft doch all mit, daß däs noch sou bleibt
aach wann unser Besch dort koa Miehlroad mehr treibt.