Es gibt Orte im Odenwald, die ziehen mich immer wieder magisch an. Einer davon ist die Walburgiskapelle auf dem Kapellenberg hoch über dem Fürther Ortsteil Weschnitz. Von der Kapelle aus hat man einen wunderbaren Blick in das obere Weschnitztal und auf die Burg und Stadt Lindenfels. In der Ferne erstreckt sich der Blick von der Neunkircher Höhe, der mit 605 m höchsten Erhebung im Hessischen Odenwald, im Nordwesten, bis hin zum Otzberg und den lang gestreckten Höhenzügen des Buntsandstein Odenwaldes im Nordosten. Bei klarem Wetter reicht der Blick sogar über Frankfurt bis in den Taunus.

Es ist gut möglich, dass die Kapelle an einem einstigen heiligen Ort der Kelten steht. Das ist wissenschaftlich nicht belegt, doch für eine frühe Anwesenheit von Menschen in der Region spricht zumindest die Herleitung des Flussnamens Weschnitz von „Visucius“, einer keltischen Flussgottheit.

Die Kuppe des Kapellenbergs wurde schon früh von Christen als Kultort genutzt. In heimatkundlichen Schriften ist die Rede von einer Kapelle, die schon 795 erwähnt wurde. Ob es sich hierbei um die Walburgiskapelle handelt ist nicht geklärt.
Seit karolingischer Zeit sind hier Wallfahrten überliefert. Walburga, die im 8. Jahrhundert lebte und in Franken wirkte, stammte aus England und folgte zusammen mit ihrem Bruder Willibald dem Missionar Bonifatius nach Deutschland. Die Platte ihres Grabes sondert angeblich das heilkräftige „Walburgisöl“ ab. Dadurch wird sie als Heilige im ländlichen Raum hoch verehrt.

Nachgewiesen werden kann ein erster Bau ab dem Jahre 1671. Ein weiterer erfolgte 1815. An die kleine, rechteckige Kapelle wurde 1935-37 ein schlichter Saalbau aus Bruchstein angebaut, und so dient sie jetzt als Altarraum.

In der Kapelle ist eine Statue der heiligen Walburga, die aus dem 17. Jahrhundert stammen soll, sowie Bildnisse von Willibald und Wunibald, den Brüdern der Walburga.

Auf den Feiertag zu ihrer Heiligsprechung am 1. Mai geht der Name der „Walpurgisnacht“ zurück. Für die Kelten stellte dieses Datum den Sommeranfang dar. Später glaubte man, dass in der Nacht zum ersten Mai Hexen ihr Unwesen treiben. Die Kapelle war früher ein sehr beliebtes Wallfahrtsziel. Und auch heute noch pilgern jährlich am 1. Mai viele Christen vom gesamten Weschnitztal und der Bergstraße zur heiligen Walburga, der (inoffiziellen) Schutzpatronin des Weschnitztales,

Im Walburgislied, das der Fürther Pfarrer Lippert 1895 dichtete, heißt es: „O Walburga, O Walburga, zu dir rufet jung und alt: Schütze unsren Odenwald!“

Hinter der Kapelle ist ein Platz mit einem steinernen Altar für die Gottesdienste im Freien angelegt. In den Sommermonaten finden hier auch Trauungen statt.

 

WALBURGISKAPELLE – WANDERUNGEN

Walburgiskapelle Kurzwanderung
Wanderstrecke: rund 2 km, Wanderzeit: rund 0,5 Stunden
Start: Parkplatz Wegscheide zur Walburgiskapelle

Erlebniswanderweg Fürth-Grasellenbach (Rundwanderung)
Wanderstrecke: rund 16 km, Wanderzeit: rund 5 Stunden
Start und Ende: Nibelungenhalle, Gras-Ellenbach

Nibelungensteig – Etappe 2 –
Wanderstrecke: rund 14 km, Wanderzeit: rund 3,5 Stunden
Start: Lindenfels, Ende: Grasellenbach

Hildegeresbrunnen, Walburgiskapelle und Kalter Brunnen (Rundwanderung)
Wanderstrecke: rund 13,5 km, Wanderzeit: rund 3,5 Stunden
Start und Ende: Nibelungenhalle, Gras-Ellenbach

Die Walburgiskapelle und das Gaßbachtal (Rundwanderung)
Wanderstrecke: rund 14 km, Wanderzeit: rund 3 Stunden
Start und Ende: Nibelungenhalle, Gras-Ellenbach

 

Der Kapellenberg – Schauplatz zwischen Mythos und Geschichte

Der Bergrücken rund um die Walburgiskapelle ist ein ebenso geschichtsträchtiger wie sagenumwobener Ort. So sind im Wald begradigte Flächen zu erkennen. Hier hatten die Köhler früher ihre Meiler aufgebaut. Es gibt auch Hinweise auf Bergbau, der in diesem Teil des Odenwaldes spätestens seit dem Mittelalter von großer Bedeutung war. Ob dort wirklich schon Kelten, Römer und Germanen nach Erzen schürften und zu ihren Göttern beteten, ist unbekannt.

Hinter dem Kapellenberg ragt der heutige Kahlberg hervor. An einem Sommertag im August des Jahres 795 war Karl der Große auf dem „Walehinhoug“, dem heutigen Kahlberg. In Anwesenheit fränkischer Adliger wurde ein Gericht abgehalten, um hier die Gaugrenzen sowie die Grenze der Mark Heppenheim festzulegen. Die Grenzlinie blieb durch die Jahrhunderte erhalten und trennt heute noch den Kreis Bergstraße vom Odenwaldkreis.

Blick von der Walburgskapelle ins Weschnitzal.